
Auszeichnung Beispielhaftes Bauen Landkreis Reutlingen 2026
Mit dem Neubau des Verwaltungsgebäudes auf dem Betriebshof der Rohstoffverwertung Reutlingen entstand weit mehr als ein funktionaler Verwaltungsstandort. Das Gebäude vereint die Optimierung betrieblicher Abläufe mit einem klaren architektonischen Anspruch und setzt ein sichtbares Zeichen für nachhaltiges Bauen in der Kreislaufwirtschaft.
Ausgangspunkt der Planung war die Neuorganisation sämtlicher Prozesse rund um die Materialanlieferung und Verwiegung. Herzstück des Konzepts sind zwei 18 Meter lange Fahrzeugwaagen mit integrierten Radioaktivitäts-Messanlagen, die seitlich in das Gebäude eingebunden sind. Die Anordnung ermöglicht einen effizienten Ablauf: Fahrzeuge werden bei der Einfahrt verwogen, passieren die Entladung und werden auf dem Rückweg erneut gewogen. Dadurch wird der gesamte Materialfluss vereinfacht, beschleunigt und zukunftsfähig gestaltet.Die besondere Qualität des Projekts liegt in der konsequenten Verbindung von Funktionalität und Architektur. Das Fundament bildet ein massiver Sichtbetonsockel, in den die Waageeinheiten integriert sind. Darüber schwebt ein leichter, ökologischer Holzbau mit einer markanten Auskragung von über fünf Metern, der beide Waagen überdacht und dem Gebäude seine unverwechselbare Erscheinung verleiht.
Die Konstruktion macht die technischen Abläufe zum integralen Bestandteil der Architektur und verleiht einem hochfunktionalen Betriebsgebäude eine überraschende Leichtigkeit. Ein zentrales Entwurfsmotiv war die „freie Sicht“. Großzügige Glasflächen und offene Raumstrukturen schaffen transparente Arbeitswelten und ermöglichen Ausblicke auf das Betriebsgelände, die Materialströme und die umliegende Landschaft bis hin zur Achalm. Das Gebäude macht die Prozesse der Kreislaufwirtschaft sichtbar und stärkt zugleich die Identifikation der Mitarbeitenden mit ihrem Arbeitsumfeld.
Besonders prägend ist die vorgehängte Fassade aus hell eloxiertem Aluminium-Streckmetall. Je nach Tageszeit, Sonnenstand und Beleuchtung verändert sie ihr Erscheinungsbild und verleiht dem Gebäude eine dynamische, fast schwebende Wirkung. Vor allem bei nächtlicher Beleuchtung entsteht der Eindruck eines über dem Betonsockel schwebenden Baukörpers. Die Fassade verbindet technische Präzision mit gestalterischer Eleganz und macht das Gebäude zu einem weithin sichtbaren Identifikationspunkt des Unternehmens.
Auch in ökologischer Hinsicht setzt der Neubau Maßstäbe. Das Gebäude erfüllt die Anforderungen der Effizienzklasse KfW 40 und wird über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Fußbodenheizung sowie ein intelligentes Be- und Entlüftungssystem versorgt. Die Stromversorgung erfolgt über die Photovoltaikanlage auf der benachbarten Umwelthalle. Der nachhaltige Materialeinsatz mit Holz als nachwachsendem Rohstoff sowie die hohe Energieeffizienz unterstreichen den ganzheitlichen Anspruch des Projekts.
Das Verwaltungsgebäude verkörpert damit die Philosophie der Rohstoffverwertung Reutlingen in besonderer Weise: Abfälle zu minimieren, Ressourcen bestmöglich zu nutzen und Stoffkreisläufe nachhaltig zu schließen. Es zeigt beispielhaft, wie anspruchsvolle Betriebsarchitektur, nachhaltige Bauweise und effiziente Prozessgestaltung zu einem identitätsstiftenden und zukunftsweisenden Gesamtkonzept verschmelzen können – ein architektonischer Fingerzeig in die Zukunft der Kreislaufwirtschaft.

















